Alles Roger im Elfenbeinturm!

Ich habe schon immer unterm Dach gewohnt. Irgendwie prägt einen die Wohnsituation, die man in seiner Kindheit und Jugend erlebt hat. Auch damals schon war ich es gewohnt, eine Freie Sicht auf die Sterne zu haben und mich im Sommer zu Tode zu schwitzen. Letzteres hat mir nie viel ausgemacht. Aber man wird ja auch mal älter. Jedenfalls wohne ich heute in einem Haus, bei dem der Dachstuhl ebenfalls ausgebaut ist und auch aktiv bewohnt wird. In vielen Fällen ist es ja so, dass die Leute gar nicht wissen, wofür sie den zusätzlichen Platz eigentlich benötigen. Dieser verkommt dann zu einer Art Edel-Abstellplatz. Bei uns ist das anders, zumindest was mich betrifft.

 

Ich habe mir hier einen hübschen zusätzlichen Wohnraum erschaffen, der von allem ein Bisschen ist. Hier kann ich fast alles haben, was die übrigen Räume, ob Wohnzimmer, Schlafzimmer oder gar Küche, auch bieten. An den Fenstern hängen hochwertige Rollos als Sonnenschutz, in der Ecke steht eine gemütliche Schlafcouch, in der Mitte ein alter Sessel, an der Wand beim Giebel sind Regale montiert, worin Bücher und Akten hineinkommen, unter der Schräge steht ein kleiner Tisch, wo ich mir Tee oder Kaffee zurecht machen kann und das größte Möbelstück, mein Schreibtisch mit dem Computer oben drauf, steht direkt neben dem Aufgang.

 

Wenn man es formal betrachtet, stellt dieser Raum mein Arbeitszimmer dar. Da ich ihn aber auch für Pausen nicht verlasse und auch hierher komme, wenn ich eigentlich gar nicht arbeiten müsste, ist es für mich viel mehr als das. Der Rest der Familie respektiert das Refugium, welches ich mir hier erschaffen habe, wundert sich gelegentlich aber schon, warum ich so gerne Überstunden mache. Wenn ich mal wirklich Ruhe brauche, ziehe ich einfach abdunkelnde Dachfensterrollos nach unten und lege mich zur Seite. Nach 20 Minuten fühle ich mich dann wieder bereit für alles andere. 

 

Ein weiterer Bewohner, welcher sich in meinem Elfenbeinturm blicken lässt, ist mein kleiner Sohn. Auch er scheint es zu genießen, im selben Haus, aber doch ganz woanders zu sein. Manchmal kommt er mich während der Arbeit besuchen und spielt mit seinen Sachen, während ich meine Arbeiten in den PC tippe. Er kommt sogar hierher, wenn ich gerade nicht hier bin, was ich unlängst feststellen musste, als ich noch einmal nach oben musste, um einen Ordner herauszusuchen. Das freut mich wirklich. Wer weiß, wenn ich mal in Rente gehe, baut er ihn sich ja vielleicht nach seinen Vorstellungen um.